Steuerliche Abzugsbeschränkung für Telearbeitsplatz einer Alleinerziehenden

Mit (noch Steuernnicht rechtskräftigem) Urteil hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz  entschieden,  dass  Aufwendungen  für einen  häuslichen Telearbeitsplatz auch von einer alleinerziehenden Mutter nur eingeschränkt steuerlich geltend gemacht werden können.

Die Klägerin wohnt im Landkreis Bernkastel-Wittlich und ist bei einer Verwaltungsbehörde  beschäftigt.  Nach  ihrer  Scheidung  traf  sie  mit ihrem Arbeitgeber eine Vereinbarung über Telearbeit, um weiterhin in Vollzeit arbeiten und dennoch ihren minderjährigen Sohn zu Hause betreuen zu können. Nach dieser Vereinbarung musste sie nur vormittags im Büro anwesend sein und konnte am Nachmittag zu Hause arbeiten. Dort  nutzte  sie  ihre  private  Büroeinrichtung,  ihr Arbeitgeber  stellte nur das Verbrauchsmaterial (Papier, Tintenpatronen für den Drucker, Disketten, Software usw.) zur Verfügung und erstattete ihr dienstlich notwendige Telefon-, Fax- und Internetkosten. In ihrer Einkommensteuer-erklärung für das Streitjahr 2011 machte die Klägerin die Aufwendungen für ihren Telearbeitsplatz (1.518,61 Euro) als  Kosten  eines  häuslichen  Arbeitszimmers  geltend.  Das  beklagte Finanzamt versagte den Werbungskostenabzug mit der Begründung,
dass der Klägerin auch im Verwaltungsgebäude ihres Arbeitgebers ein Arbeitsplatz zur Verfügung stehe. Klage und Einspruch der Klägerin blieben erfolglos. Zur Begründung
verwies das FG auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes (BFH), wonach die Aufwendungen für  einen Telearbeitsplatz  im  häuslichen Arbeitszimmer nur dann abzugsfähig seien, wenn dem Arbeitnehmer kein  anderer Arbeitsplatz  zur Verfügung  stehe.  Im vorliegenden  Fall habe der Klägerin nicht nur vormittags, sondern auch an den Nachmittagen ein anderer Arbeitsplatz in den Räumlichkeiten ihres Arbeitgebers zur Verfügung gestanden. Die Klägerin habe selbst eingeräumt, es sei ihr nicht untersagt gewesen, ihren dienstlichen Arbeitsplatz auch nachmittags weiterhin zu nutzen. Die Nutzung dieses Arbeitsplatzes sei auch nicht deshalb eingeschränkt gewesen, weil ihn im Bedarfsfall bzw. in Zeiten bestehender Raumnot auch andere Kolleginnen und Kollegen  genutzt  hätten.  Daraus  lasse  sich  nämlich  nicht  herleiten, dass der Arbeitsplatz  auch dann  einer  anderen  Kollegin  bzw.  einem anderen Kollegen zur Verfügung gestellt worden wäre, wenn sie – die Klägerin – ihn selbst hätte nutzen wollen. Ihr Einwand, sie arbeite zu Hause (auch) außerhalb der Dienstzeiten, habe ebenfalls keinen Erfolg.
Es reiche aus, dass sie ihren Arbeitsplatz zu den üblichen Bürozeiten nutzen könne, wenn sie dies wolle. Dass sie alleinerziehende Mutter sei und ihren dienstlichen Arbeitsplatz wegen der Kinderbetreuung nicht nutzen  könne,  sei  steuerrechtlich  grundsätzlich  unbeachtlich.  Dabei handele es sich nämlich um private Gründe, auch wenn Ehe und Familie verfassungsrechtlich geschützt seien. Der Gesetzgeber habe speziell für Alleinerziehende eine Steuervergünstigung geschaffen (Entlastungsbetrag für Allein-erziehende nach § 24b EStG). Diese Förderung, die auch die Klägerin erhalten habe, sei ausreichend, so dass keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Abzugsbe-schränkung für das häusliche Arbeitszimmer ersichtlich seien.

Quelle: FG Rheinland-Pfalz, Pressemitteilung vom 16.09.2015 zum Urteil 3 K
1544/13 vom 11.08.2015 (nrkr)

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